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Als perverses Schwein wurdest du geboren…


Wie blöd muss man eigentlich sein?

Ich mag Facebook. Jaja, ich weiß, Datenschutzkatastrophe, da können wir dann gerne an anderer Stelle mal das entsprechende Fass zu auf machen. Heute geht es mir um was ganz anderes. Vorhin kam ich heim und hatte mit meiner Zeit, ein Mal mehr, nichts besseres anzufangen als mich durch Facebook zu scrollen. Üblicherweise liest man ja spannende Geschichten zu verstorbenen Hündchen, die in Glanz und Gloria zum Himmelreich aufgefahren sind, von den mutigsten Helden dieser Welt, den Mitgliedern der U.S. Army oder von Wirtschaftsexperten, die offenbar nicht zwischen Bruttoinlandsprodukt und Bruttonationaleinkommen differenzieren können. Das alles wären ja Umstände, mit denen ich gut leben könnte. Hey, jeder so wie er will? Kein Ding? Aber heute krönt mal wieder ein besonderes Schmankerl die Pinnwand, das ich immer und immer wieder sehe. Eigentlich hat alles damit begonnen, dass ich folgenden Eintrag gelesen habe: „Ey, wie blöd muss man eigentlich sein? Wenn die leute halt ihre daten alle angeben brauchen sie sich gar nicht wundern wenn sie missbraucht werden!!“ Die Annahme, dass es sich um die Daten handelt, die da missbraucht werden sollen, hat mich zu Beginn beruhigt. Das änderte sich allerdings schon zwei Einträge tiefer.

Sehen ja eh nur meine Freunde?

Ich war mir in dem Moment, als ich den Titel „Mara 22.06.2012“ gesehen habe eigentlich fast sicher, dass sich da mal wieder jemand eine Expertise attestieren wird, die er/sie/es ganz offensichtlich nicht hat. Ich habe nun bei Facebook schon vieles gesehen: Frauen um die 30 im Minirock, Frauen um die 20 halb nackt auf der Motorhaube ihres Freundes, Kerle, die oben ohne vor einem Spiegel posieren oder Kinder, die auf dem Spielplatz spielen. Ich für meinen Teil finde Galerien dieser Art dezent deplatziert. Insbesondere finde ich eigentlich, dass Kinder da eigentlich so gar nichts drin verloren haben, was Bilder angeht. Ich hab mir dann einfach mal erlaubt nachzufragen.
„Ich weiß ja nicht, findest du es echt so sinnvoll die Fotos deiner Tochter bei Facebook hochzuladen? Mein nur, so wirklich gut ist das ja, wenn man drüber nachdenkt, eher nicht, oder?“
„Warum? Sehen ja eh nur meine freunde“

True Story, bro! Da hat sie schon Recht. Sie hatte die Bilder offenbar tatsächlich auf ihren (btw. 788 „Freunde“ umfassenden) Bekanntenkreis begrenzt. Zumindest hat sie das, nachdem ich sie darauf angesprochen habe. Meiner Meinung nach ruhig, sachlich und höflich.

Was willste denn machen, hab ich mir gedacht. Okay, jetzt hat sie eben ihre Tochter dabei fotografiert, wie sie auf dem Spielplatz spielt, Spaß hat, rutscht uns schaukelt.
Hat man ja früher auch. Man hat es aber eben keinen 788 Freunden zur Verfügung gestellt. Ich hab dabei auch irgendwie das Gefühl, dass das besser so ist. Warum weiß ich gar nicht so genau. Schließlich kann man sicher nicht abschließen sagen, ob sich einer der 788 Freunde an einem der Bilder mehr „erfreut“, als er es tun sollte.

Getting ALL crazy!!!

Es hat nicht so irre lang gedauert, da bin ich dann auf das nächste Fotoalbum gestoßen. Der Name war in dem Fall „Mara Bad“.
Ich wusste, das wird jetzt eine harte Diskussion. Aber ich wusste auch was mich da nun erwarten wird. Denn ich sehe Alben dieser Art nicht zum ersten Mal.
Und es ist auch nicht mal so, dass die Vorschaubilder auf meiner Chronik da in irgendeiner Weise nicht meine Befürchtungen bestätigen würden.
Natürlich ist Mara im Bad, mit ihren geschätzten 4, vielleicht 5 Jahren. Und natürlich hat sie auf etwa 10% der Bilder ihren Badeanzug an.
Ich glaube, das ist schon skurril genug. Auf den restlichen 90% ist sie nackt. Mit ist das in dem Moment zu viel. Ich interveniere erneut:
„Achso, und wenn die 788 Freunde von dir deine Tochter nackt sehen, ist das auch kein Problem? Sorry, finde ich gehörig verantwortungslos.“
„Is doch normal? Kinder baden halt nackt manchmal!!“

True story, bro, again! Das können sie ja auch! Aber müssen sie das auf Facebook?

Das meinste jetzt ja nich ernst…

Ich meine, sie müssen nicht. Ganz und gar nicht. Was im Netz ist, bleibt im Netz. Das weiß man eigentlich. Eigentlich auch nicht. Und das ist auch nicht die frage des Ganzen. Da gibt es ganz andere Fragen zu klären:
Selbstbestimmung, Respekt, Kindheit, Gefahr, Missbrauch, Naivität, Ignoranz, Besserwisserei. Mir fallen viele Begriffe dazu ein. Nur der richtige nicht. Er müsste allumfassend sein.
Ich mache mir die Mühe. Ich logge auf meinen Zweitaccount, der natürlich bei Facebook besteht, wie er es bei wohl jedem von uns tut. Ich sehe mir die Seite der jungen Frau an.
Und ich stelle folgendes fest:

„Mara 22.06.2012“ ist nicht zu finden, für mich, als gerade öffentliche Person. Puh. Immerhin. Dennoch nicht gut. Aber besser als öffentlich.
„Mara Bad“. W.T.F. Is das wahr? Das zweite Album, das, das eigentlich die weit besorgniserregenderen Fotos beinhaltet, das ist öffentlich?
Das meinst du nicht ernst, meinst du?

Keine Ahnung wie des geht…

Was soll ich denn machen. Ich logge um. Klar. Ich sage ihr, was ich gerade beobachtet habe. Versuche zu erklären, wo meine Bedenken liegen.

„Also, ich hab jetzt grad mal auf einen anderen Account gewechselt. Du bist dir schon darüber im Klaren, dass die Nacktfotos deiner eigenen Tochter für jeden Menschen dieser Welt, der bei Facebook registriert ist, und das sind über 900 Millionen Benutzer, auf diese Fotos zugreifen können, oder?“

„ka? Es sind doch nur fotos!P?  langweil jetz mal net“

„Okay. Ich will auch gar nicht langweilen. Aber sag mir doch bitte warum du das eine ALbum nur für freunde zugänglich gemacht hast, das andere aber für alle Welt zu sehen ist? Warum machst du nicht wenigstens beide nur für deine Freunde sichtbar, obwohl selbst das echt nicht die goldene Zitrone ist. Kinderbilder haben im Netz nichts verloren. Vor allem nicht wenn sie nackt sind!“

„Ja, ka wie des geht…“

True story, bro, third!

Machen wir die Sache mit der Netzkompetenz?

So viel fressen kann ich gar nicht, wie ich da kotzen will. Ich sehe das Problem, dass sicher nicht jeder bei Facebook durchsteigt, die Plattform macht es einem mit der Privatsphäre nun auch wirklich nicht einfach. Aber wie, WIE kommt man auf den Gedanken, Bilder seiner Kinder, noch dazu nackt, in die größte Online-Community dieser Welt zu stellen? Wie wenig Nachrichten kann man sehen, wie wenig Zeitungen muss man lesen, wie wenig persönliche Sensibilität muss man vorweisen, um auf so eine Idee zu kommen? Warum ist es so, dass es so viele Menschen gibt, die Netzfreiheit mit Naivität vertauschen, bewusst, unbewusst, oder gewusst?
Mein persönlicher Tiefpunkt wurde etwa 15 Minuten später erreicht. Ich hatte die Fotos mittlerweile gemeldet und darum gebeten, sie zu entfernen, als ich folgenden Pinnwandeintrag lesen musste:

║Als perverses Schwein wurdest du geboren,
║in diesem Leben hast du nichts verloren,
║drum fordern wir für alle Länder:

║††† TODESSTRAFE FÜR KINDERSCHÄNDER †††

║Für eure Taten sollt ihr büßen,
║ihr sollt euer Leben nie wieder genießen!!!
║Die Erfahrung zeigt, das Therapien nichts nützen,
║nur euer Tod kann Kinder schützen!!

Ich werde an dieser Stelle nicht das nächste Fass, das der Todesstrafe aufmachen.
Aber eines will ich mir doch nicht nehmen lassen:
Wer sich in dieser Art fahrlässig verhält, sollte dafür zur Rechenschaft gezogen werden.
Denn offenbar sind sich diese Menschen der Gefahr, der sie ihre Kinder dadurch aussetzen, der Respektlosigkeit und der Würdelosigkeit die damit einhergeht, nicht bewusst.
Wer aber an all diesen Aufklärungskampagnen zu diesem Thema, die nun schon seit Jahren laufen, noch immer getreu dem Motto: „Was geht es mich an“ vorbei lebt, der muss gesagt bekommen, dass es in der Form nicht geht.
Die „Facebookfreundschaft“ hat sie mir im übrigen vor etwa 10 Minuten gekündigt. Die Bilder allerdings kann ich noch immer sehen. Glückwunsch.

LG

Pinny

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